Fiesta Espanola

HAMBURG – (Quante) Keine Tennisnation hat seit den 70er-Jahren mehr Turniersiege am Rothenbaum gefeiert als Spanien. Ganze 13 Mal ging der Pokal an einen Spieler von der iberischen Halbinsel. Rafael Nadal, Juan Aguilera, Jose Higueras und Manuel Orantes gewannen den Titel gleich zwei Mal. Auch bei den German Open Tennis Championships vom 22. bis 30. Juli deutet sich eine »Fiesta Española« an. Mit Pablo Carreno Busta (ATP 17), Albert Ramos Vinolas (ATP 22), Fernando Verdasco (ATP 32) und David Ferrer (ATP 38) gehören gleich vier spanische Profis zum engsten Favoritenkreis.

Sandplatztennis auf höchstem Niveau

„Der Rothenbaum ist traditionell ein gutes Pflaster für Spieler aus Spanien“, weiß Turnierdirektor Michael Stich. „Die Tennisfans dürfen sich auch in diesem Jahr wieder auf Sandplatztennis auf allerhöchstem Niveau freuen und ich bin gespannt, wer sich am Ende den Titel sichern wird. Für ehemalige Top-Ten-Spieler wie Ferrer und Verdasco spricht natürlich die Erfahrung, für Ramos-Vinolas und Carreno Busta die Ergebnisse der vergangenen Monate.“

Pablo Carreno Busta ist nach Rafael Nadal der zweitbeste Spanier in der Weltrangliste. Der 25-Jährige hat zwei ATP-Titel auf seinem Konto, stand in diesem Jahr bereits in Rio de Janeiro im Finale und gehörte beim Masters-Turnier in Indian Wells, in Sao Paulo und Buenos Aires jeweils zu den besten Vier. Zuletzt erreichte Carreno Busta mit einem Sieg gegen den Weltranglistensechsten Milos Raonic das Viertelfinale der French Open, wo er Rafael Nadal unterlag.

Auch Albert Ramos Vinolas spielt bislang die beste Saison seiner Karriere. Im Mai knackte der 29 Jahre alte Linkshänder erstmals die Top 20. Zuvor hatte er das Endspiel des Sandplatzturniers in Sao Paulo erreicht und war in Monte Carlo nach Siegen gegen den Weltranglistenersten Andy Murray und Top-Ten-Spieler Marin Cilic in sein erstes Masters-Finale eingezogen.

Weitere Top-30-Spieler im Hauptfeld der German Open 2017 sind Vorjahresfinalist Pablo Cuevas (ATP 23) und Richard Gasquet (ATP 29), der 2005 schon einmal im Finale stand. Mit Gilles Simon (ATP 34) und Titelverteidiger Martin Klizan (ATP 45) starten außerdem zwei ehemalige Rothenbaum-Sieger.

Besonders im Fokus stehen auch in diesem Jahr wieder die deutschen Spieler. Auf der Meldeliste stehen Florian Mayer (ATP 51), Philipp Kohlschreiber (ATP 52) und Jan-Lennard Struff (ATP 53). Der 18 Jahre alte Daniel Altmaier (ATP 249) und Tommy Haas (ATP 302) erhalten eine Wild-Card.

„Es ist immer etwas Besonderes für mich, nach Hamburg zurückzukommen. Ich bin hier geboren, habe als Kind am Rothenbaum meine Idole spielen sehen und bei meinem ersten Auftritt hier mit 19 Jahren den ersten großen Erfolg auf der ATP-Tour gefeiert“, erinnert sich Haas, der auf seiner Abschiedstour noch einmal Station in der Hansestadt macht. „Ich habe am Hamburger Rothenbaum viele emotionale Momente erlebt und möchte mich zum Ende meiner Karriere noch einmal persönlich bei all jenen verabschieden, die mich in den zurückliegenden Jahren unterstützt, mich angefeuert und mit mir gelitten haben.“ Seinen ersten Auftritt hat der 39-Jährige bei den MANHAGEN Classics. Im Duell der Hamburger Tennislegenden trifft er am 23. Juli um 18 Uhr auf Michael Stich. Anschließend startet er ein letztes Mal bei dem Turnier der ATP World Tour 500 in seiner Geburtsstadt.

„Ich freue mich sehr, dass wir den Tennisfans am Rothenbaum noch einmal Tommy Haas präsentieren können“, sagt Turnierdirektor Stich. „Er war mehr als zwei Jahrzehnte lang eine der herausragenden Persönlichkeiten im deutschen Tennis. Als gebürtiger Hamburger hat er für unser Turnier und unsere Zuschauer natürlich einen besonderen Stellenwert.“ Unwahrscheinlich ist hingegen ein Start von Alexander Zverev, der seit seinem Sieg beim Masters-Turnier in Rom in den Top Ten der Weltrangliste zu finden ist. 2014 hatte Michael Stich den jungen Hamburger langfristig an das Rothenbaum-Turnier gebunden: „Unsere Fünf-Jahres-Vereinbarung sieht vor, dass Alexander entweder meldet oder eine Wild Card erhält. Sein Management hat uns gebeten, eine Wild Card für ihn freizuhalten. Das tun wir natürlich gerne. Nachdem er nun aber für das Turnier in Washington gemeldet hat, das in der Woche nach den German Open stattfindet, gehen wir nicht davon aus, dass er in Hamburg spielen wird.“

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Christoph Kellermann kennt den Tennissport aus dem Eff-Eff. Seit 1980 ist er am Ball. Zunächst als Spieler, dann als Coach. Seit vielen Jahren ist er als Mitglied des Verbandes Deutscher Sportjournalisten redaktionell aktiv. 1990 gründete er den heutigen »TWNR«, ehemals »Tennisredaktion.de«...