Rafa – »King on clay!«

Von Stephan Medem. Monte Carlo, Barcelona, Madrid. Drei Auftritte, drei Turniersiege. Das ist unglaublich beeindruckend und macht ihn natürlich zum Favoriten in Roland Garros. Dort seinen zehnten (!) Titel abzuholen wäre natürlich das Husarenstück schlechthin. Doch was macht ihn eigentlich so außerordentlich? Warum ist Nadal (Foto: Hasenkopf) so verdammt gut auf der roten Asche?

Beginnen wir mit seinem Körper: Rafa ist Linkshänder. Damit hat er schon einmal den enormen Vorteil, dass er mit seiner extrem überrissenen Vorhand sehr viel Druck auf die Rückhand seiner Gegner machen kann, sie entweder weit hinter die Grundlinie, oder sehr weit nach außen treiben kann. Auf dieser Grundstellung baut er seine Strategie auf. Zusätzlich ist Rafa ein Top-Athlet, kein Spieler bewegt sich bei dieser Körpergröße auf Asche so gut wie er. Er hat mit die beste Ausdauer auf der ATP-Tour. Somit weiß er selber, dass er jedes Match, egal wie lange es dauert, gewinnen kann. Und dass wissen natürlich auch seine Gegner! Somit wird sein athletischer Vorteil natürlich auch zu einem massiven mentalen Vorteil. Seine Gegner wissen, dass sie gegen Rafa keine Gratis-Punkte bekommen, für jeden Punkt sehr hart kämpfen müssen und die Gewissheit herrscht, den Platz erst mit dem allerletzten gewonnen Punkt auch wirklich als Sieger verlassen zu können.

Zusätzlich beherrscht Rafa das Schach-Spiel auf Asche wie kein Zweiter. In defensiven Positionen findet er immer den richtigen Schlag, um dem Gegner keine wirklich hochprozentige Abschlusschance zu gewähren. Und wenn Nadal in neutralen Positionen steht, kommt seine überrissene Vorhand zum Zug und übernimmt die Kontrolle über die Rallye. Sobald sich die Möglichkeit zum Abschluss bietet, so hat er mittlerweile sein Schlagrepertoire ausgebaut, was ihm Punkte mit der Vorhand sowie mit der Rückhand und vor allem auch mit Netzattacken bringt. Die nahtlosen Übergänge zwischen defensiven, neutralen und offensiven Spielsituationen beherrscht auf Sandplatz kein Spieler so perfekt wie Rafael Nadal.
Und so wird er sich wohl auch in Paris der Konkurrenz stellen und ich bin sehr gespannt, ob in diesem 128er-Feld Jemand am Start ist, der ihn besiegen kann.

Über Stephan Medem 69 Artikel
Stephan Medem ist TWNR-Experte auf mehreren Ebenen. Zum Einen deckt er gemeinsam mit Davis-Cup-Sieger Marc-Kevin Goellner den Bereich Profitennis ab, zum Anderen ist der Ex-Profi und einstige WTA-Tour-Coach auch als Autor erfolgreich und ein ausgewiesener Mentalexperte.