The »Head of Mittelfinger«

Von Christoph Kellermann. Philipp Kohlschreiber tut dieser Tage das, was er am besten kann: unangenehm auffallen und sich unbeliebt machen. Diesmal aber nicht nur bei den Fans sondern beim »Head of Men`s Tennis« höchstpersönlich. Boris Becker kassierte im Vorfeld der eminent wichtigen Davis-Cup-Playoff-Partie in der kommenden Woche in Portugal bei seinen ersten Lenkungsmanövern als Kopf des deutschen Herrentennis nicht nur von den Gebrüdern Alexander und Mischa Zverev sondern auch vom Augsburger Kohlschreiber eine schallende Ohrfeige, sprich: eine gnadenlose, im Falle Kohlschreibers sogar eine aberwitzige Absage.

Deutschland geht also ohne seine drei besten Spieler in die Relegation und muss folglich sogar bei den allenfalls zweitklassigen Portugiesen ernsthaft um die Erstklassigkeit bangen. Während die Absage von Alexander Zverev mit Blick auf das ATP World Tour Masters noch halbwegs zu erklären ist und Bruder Mischa auf Sand nicht mal für das Doppel eine wirklich gewinnbringende Option gewesen wäre, kann man bei Philipp Kohlschreiber nur den Kopf schütteln. „Der Bodenbelag sei das Hauptkriterium für die Absage“, ließ er den neuen Boss des deutschen Herren-Tennis und Kapitän Michael Kohlmann wissen. Frei übersetzt: ”Ihr könnt mich mit Eurer Relegation mal am Arsch lecken und für mein Land zu spielen bedeutet mir eh nichts!“ Zur Information: Sechs (!) seiner acht Einzel-Titel auf der Tour hat »Kugelschreiber« auf roter Asche gewonnen, zuletzt 2017 in Kitzbühel, im Finale gegen – ja richtig: gegen Portugals Nummer Eins, Joao Sousa. Es würde die Tenniswelt nicht verwundern, wenn der Augsburger in Kürze auf irgendeinem ATP-Challenger-Sandplatzturnier zu finden ist, statt auf der großen Asien-Harcourt-Tour. Es wäre gewiss nicht das erste Mal.

Philipp Eberhard Hermann Kohlschreiber, Du hast hart und nachhaltig daran gearbeitet, dass man Dich weder ernst nehmen noch mögen kann. Dir fehlen seit jeher Einstellung, Respekt und Demut. Ex-Davis-Cup-Kapitän Carsten Arriens hat Dich damals völlig zu Recht aus dem Team geworfen. Becker und Dirk Hordorff haben sich daraufhin lauthals für Dich stark gemacht. Ihnen und ganz Tennis-Deutschland zeigst Du nun den Mittelfinger. Wieder einmal. Hoffentlich nehmen das nun endlich auch die letzten Deiner noch verbliebenen Fürsprecher wahr.

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Christoph Kellermann kennt den Tennissport aus dem Eff-Eff. Seit 1980 ist er am Ball. Zunächst als Spieler, dann als Coach. Seit vielen Jahren ist er als Mitglied des Verbandes Deutscher Sportjournalisten redaktionell aktiv. 1990 gründete er den heutigen »TWNR«, ehemals »Tennisredaktion.de«...